Neue Westfälische vom 15.04.2008
Musikalische Bilder von der Feuerwehr
Konzert des Symphonischen Blasorchesters
Gütersloh. „Klangbilder“ versprach das Symphonische Blasorchester der Feuerwehr Gütersloh am Samstag. Die bestens gefüllten Bänke in der Martin-Luther-Kirche erfreuten nicht nur die Musiker, sondern auch den „Förderverein Historische Kirchen im Stadtzentrum Gütersloh e.V.“, zu dessen Gunsten das Konzert stattfand. Das klangstark ausgemalte, abwechslungsreiche zweistündige Konzert der bestens präparierten Bläser ließ beim Publikum keine Wünsche offen. Kurz: ein rundum gelungener Konzertabend.
Das Jugendorchester hatte das erste Wort: Gekonnt griffen die Teenager zum musikalischen Pinsel und malten Jacob de Haans „Ross Roy“ überzeugend und facettenreich ins Kirchenschiff. Auch die Erwachsenen konnten sich hören lassen.
Satt erstrahlten die Orchesterfarben bei Howard Hansons „Chorale and Alleluia“, und besonders bei Frank Tichelis „American Elegy“, während dank optimaler Tarierung der einzelnen Register eine erfreuliche Durchsichtigkeit erhalten blieb. Natürlich konnten die Symphoniker auch Pianissimo: Was hochemotional im kontrollierten Fortissimo endet, startete oftmals äußerst zart – präsent und leise: So machen Spannungsbögen Spaß!
Die Anfänger betraten als Newcomer-Band den Altarraum. Mit drei Sätzen aus Edvard Griegs erster Peer-Gynt-Suite bewiesen die gut vorbereiteten Kinder echtes Talent für sinfonische Blasmusik. Auch wenn sich hie und da ein ungewohnter Ton in den Gesamtklang mischte und die Trolle in der Halle des Bergkönigs kurzzeitig ins Stolpern kamen, hatten die Jungmusiker den Dreh mit der Bildstarken Ausgestaltung, mir dem so manches Erwachsenenorchester kämpft, offensichtlich bereits heraus.
Thomas Boger leitete gut gelaunt alle drei Orchester, spornte an, hielt zusammen, tarierte aus, emotionalisierte und entlockte so jeder der Formationen ein beseelter Optimum.
Auch beim Landeswettbewerb „Jugend musiziert 2008“ konnten sich zwei Formationen aus dem Umfeld des Jugendorchesters durchsetzen, die das Publikum mir Kostproben ihres Könnens verwöhnten. Das Posaunenquartett mit Tobias Zimmermann, Benedikt Altehülshorst, Ben-Niklas Gottowik und Hartmut Suschka beeindruckte bei Georg Philipp Telemanns „Concert a 4“ mit warm zelebrierten langsamen Sätzen und beeindruckender Beweglichkeit in den Allegros, deren Laufsequenzen zwangsläufig etwas blass wirkten.
Bernd Theißing und Florian Lamberts (Trompete), Paul Zimmer-Harwood (Horn), Johannes Theißing (Tuba) und wiederum Hartmut Suschka (Posaune) bewiesen mit Victor Ewalds Quintett Nr. 1/5 eindrucksvoll, wieso sie im Mai zum Bundeswettbewerb von „Jugend musiziert“ fahren dürfen.
Ihr Vortrag, der nach jedem einzelnen Satz mit Zwischenapplaus quittiert wurde, war einhochwertiges Hörvergnügen. Die technisch hervorragenden, persönlichkeitsstarken Musiker erfüllten das Werk mit Struktur und Seele. Jeder von ihnen ein fesselnder Solist, trat jedoch zum Wohle des Gesamtklangs gern zurück, um den nächsten Solisten zu stützen.
Am Ende des Programms stand ein „echtes“ Bild: Modest Mussorgskis „Großes Tor von Kiew“ aus den „Bildern einer Ausstellung“, monumental-strahlend in Szene gesetzt vom Symphonischen Blasorchester der Feuerwehr Gütersloh.
Heike Sommerkamp
