Westfalenblatt vom 05.11.2007
Herbstkonzert des Symphonischen Blasorchesters der Feuerwehr
Gütersloh (swo). Nach langer Vorbereitungszeit und einem intensiven Probenwochenende präsentierte sich das Symphonische Blasorchester der Feuerwehr Gütersloh am Samstag in der Stadthalle bei seinem Herbstkonzert in Topform.
Die 65 Musiker unter der Leitung von Dirigent Thomas Boger haben sich ein hohes Ziel gesteckt: Die Teilnahme am Deutschen Orchesterwettbewerb am 11. November in Hamm. Und eines ist jetzt schon klar: Als reines Blasorchester steht ihnen ein harter Kampf gegen die oft vielseitiger besetzte Konkurrenz bevor. Doch zielt der Ehrgeiz von Thomas Boger sowieso in eine andere Richtung, für ihn ist der Weg das Ziel: „Wir haben durch das intensive Proben versucht zu wachsen.“ Die so entwickelte Reife war nicht zu überhören. Der homogene Klangeindruck, das hervorragende Zusammenspiel und ein abwechslungsreiches Programm bildeten die Zutaten für ein musikalisch hochwertiges Konzert.
Angefangen mit dem marschartigen „Eisenhower Centennial“ von James Barnes, der der Musikzug-Tradition des Symphonischen Blasorchesters gerecht wurde, widmete sich das Orchester schon bald den rein konzertanten Stücken. In einem Medley der schönsten Melodien aus Franz Léhars Operette „Die lustige Witwe“ fiel zum ersten Mal der ausgewogene Kontrast zwischen Holz- und Blechbläsern auf. Was die Streicher für das Symphonieorchester sind, das sind die Holzbläser für das Blasorchester. Zuständig für die gefühlvollen Passagen, bilden sie den Gegenpol zu den oft laut scheppernden Blechbläsern. Doch auch Blechbläser lassen sich zähmen, was Dirigent Thomas Boger während eines Songs aus Andrew Lloyd Webbers „Cats“ zur Gewissheit werden ließ, als er das ganze Orchester süße Melancholie versprühen ließ.
Mehrmals kam es zu Platzwechseln, wenn das große Orchester den Nachwuchsensembles, dem Jugendorchester und der Newcomer-Band, die Bühne überließ. Diese standen den älteren Kollegen an Elan und Musikalität kaum nach. Jacob de Haans „Autumn Holiday“ und Luigi di Ghisallos „Superspy“ spielte die Newcomer-Band erfrischend, das Jugendorchester überzeugte mit fortgeschrittenem Repertoire, unter anderem mit „Humanos“ und der „Singapore Suite“ von Jan van de Roost. Dieser hat in sein „Humanos“ barocke Elemente einfließen lassen, die er gekonnt mit modernen Harmonien verbunden hat, während in „Singapore Suite“ asiatische Tänze und Lieder verbreitet wurden.
Die Filmmusik zu den bekannten Disney-Klassikern „Das Dschungelbuch“ und „Mary Poppins“ versahen die jungen Musiker mit der nötigen Portion Kitsch und erreichten so den Disneysound, der immer wieder Millionen von Menschen begeistert.
In der zweiten Konzerthälfte stellte das Symphonische Blasorchester sein Wettbewerbsprogramm vor. Die „Manhattan Symphony“ von Serge Lancen spielten die Musiker äußerst professionell und setzten auch Jazzelemente gekonnt um. Der Höhepunkt des Abends waren aber ohne Zweifel die „Danceries“ von Kenneth Hesketh, die vom Orchester hohe interpretatorische Reife verlangen, handelt es sich doch um zeitgenössisch verarbeitete englische Tänze aus dem 17. Jahrhundert. Thomas Boger trieb seine Musiker mit Schwung und vorwärts treibend durch die anspruchsvolle Partitur, der begeisterte Applaus am Ende sprach für sich.
Sollte das Symphonische Blasorchester beim Orchesterwettbewerb ebenso selbstbewusst und tatkräfig auftreten, ist eine gute Platzierung nicht unrealistisch.
