Die Glocke vom 14.11.2006
800 Fans feiern die Vielfalt der Blasmusik
Gütersloh (gl.). Wer 125 Jahre jung wird, der darf auch üppig feiern. Das tat das Symphonische Blasorchester der Feuerwehr Gütersloh am Sonntag so ausgiebig, dass es sein Publikum drei Stunden lang geradezu fesselte. Zum Jubiläum feierten nicht nur gut 800 Fans im dicht bestuhlten großen Saal der Stadthalle mit, sondern auch bekannte Gäste.
Die stellvertretende Landrätin Elke Hardiek erinnerte daran, dass „immer wieder dienstags“ seit 125 Jahren die Probenabende auf dem Terminkalender der heute 54 Orchester-Mitglieder stehen.
Was bei so viel Fleiß und intensiver Vorbereitung alles herauskommen kann, demonstrierte der musikalische Leiter Thomas Boger anschließend. Die Ouvertüre „Under The Flag Of Glory“ durfte wörtlich genommen werden, denn unter dem Feuerwehrbanner taten die Musiker alles, um ihrem guten Ruf weit über die Stadtgrenzen hinaus gerecht zu werden.
Dass Blasmusik mehr als nur Märsche zu bieten hat, zeigte nicht nur das bestens aufgelegte Orchester, sondern auch das 13-köpfige Ensemble „Embrassy“. Es spielte Händels „Ankunft der Königin von Saba“, und war maßgeblich am musikalischen Höhepunkt des Abends beteiligt, der „Manhhattan Symphn y“ von Serge Lencen. Boger stellte sie zunächst in kleinen Ausschnitten vor, um dem Publikum einen Eindruck über das Gehörte zu verschaffen: Ein aus dem Nebel in Manhattan anlandender Ozeandampfer, ein Spaziergang durch den Central Par, Harlem mit seinen jazzigen schwarzen Einflüssen, Glanz und Gamour des Broadway und die erschlagende Wucht des majestätischen Rockefelder Bueldings spiegelten die Symphoniker wider. Mit diesem Stück wird der erfolgverwöhnte Klangkörper 2007 beim Landesorchesterwettbewerb antreten. „Wir üben erst seit acht Wochen“, relativierte Boger. Angesichts der gezeigten Leistung kann er aber zuversichtlich an die Aufgabe herangehen.
Dass zu Jubiläen gern gesehene Gäste gratulieren, gehört zum guten Ton. Die Musiker von „Embrassy“ unter der Leitung von Steffen Schiel, einem ehemaligen Musikkommilitonen Bogers, nahmen es wörtlich. Aus Bizets „Carmen“ spielten die Bläser im Zeitraffer die schönsten Melodien; und „Brass Cats“ gab’s Jazziges. Und noch etwas hatte das Ensemble, das sich im Rahmen von Dietmar Schönherrs Hilfsprojekt in Nicaragua engagiert, im Gepäck: den jungen Studenten David Salomon Jarquin, ein mittelamerikanisches Trompetentalent, das Debussys „La Fille aux Cjeveux de Lin“ temperamentvoll und atemberaubend sicher bis in die letzte Nuance interpretierte.
Apropos Nachwuchs: Kein Konzert der Symphoniker ohne das ambitionierte Jugendorchester, das locker-leger in roten T-Shirts und Jeans mit „Where The Sun Breaks Through The Mist“ und der Filmmusik zum Kinohit „Fluch der Karibik“ glänzte. Schließlich gab die spielfreudige „Newcomerband“ ihre Visitenkarte mit zwei Stücken von Luigi di Ghisallo abe.
Die Kerzen auf dieser üppigen Konzerttorte blies das Geburtstagskind schließlich mit zwei Zugaben selbst aus. Auf die nächsten 125 Jahre.
Burkhard Hoeltzenbein
