Die Glocke vom 17.05.2006
Weit mehr als ein Muttertags-Konzert
Gütersloh (gl). Mit einem Konzert für die ganze Familie hat das Symphonische Blasorchester der Feuerwehr am Sonntagnachmittag die Feierlichkeiten zu seinem 125-jährigen Bestehen begonnen. Auf der Freilichtbühne im Mohns Park unterhielt das Ensemble unter der Leitung von Thomas Boger ein bunt gemischtes, zeitweise knapp 500-köpfiges Publikum mit vielschichtig interpretierter Musik.
Die meisten Gütersloher waren mit Sitzkissen und Regenschutz, teilweise sogar mit Picknickkörben bestens für den Nachmittag gerüstet. Die Entscheidung des Orchesters, trotz dunkler Wolken nicht in die Aula der Anne-Frank-Schule auszuweichen, wurde vom Wettergott mit trockenem, teilweise sogar sonnigem Wetter belohnt.
Das Jugendorchester in neuen roten Poloshirts gestaltete selbstbewusst den Auftakt. Schon mit den ersten Tönen von John Williams volltönend-farbenfroh gestalteten "Movie Adventures" und auch beim Beatles-Potpurri errangen die jungen Musiker die ungeteilte Aufmerksamkeit des Publikums.
Dann überließen sie die Bühne dem Hauptorchester, das mit zackigen Märschen, swingendenm Jazz und differenziert ausgestalteten Medley – aus Franz Lehars "Lustiger Witwe" oder auch von Elton John – für jeden Geschmack das passende Stück mit Schwung und Spielfreude auf hohem Niveau präsentierte. Die hoch konzentrierten Musiker ließen sich dabei weder von quer fahrenden Radfahrern noch von spielenden Kindern an, über und sogar auf der Bühne und schon gar nicht von den vom Wind verwehten Notenblättern irritieren.
Dank zahlreicher Solisten aus den eigenen Reihen konnte Boger für zusätzliche Farbtupfer sorgen, nicht nur bei den teils intensiv mittendrin beklatschten Einlagen im Jazzteil, sondern gleich mit ganzen Solokonzerten. Helmut und Erwin Kauer, die Zwillinge an der Tuba, teilten sich brüderlich den Solopart von Kurt Gäblers "Tuba Concerto Espagnole". Die Trompeter Peter Beckley, Daniel Reichert und Maik Herrmann standen bei L. Andersons "Buglers Holiday" im Rampenlicht, während gleich darauf, bei Sculls Marsch "Trombones to the fore", das gesamte fünfköpfige Posaunenregister wunderbar synchron die Solostimme mit Leben füllte. Und dann war da noch Jürgen Hornischer, der auf dem Baritonsaxophon das aus der Sesamstraße bekannte "Ma na ma nah" dahinrotzte.
Eng wurde es, als sich Jugend- und Hauptorchester zum großen Klangkörper vereinten und den "König der Löwen" in den Park lockten. Das Ende kam indes klassisch daher, aus Beethovens Neunter mit "Freunde, schöner Götterfunkten".
Heike Sommerkamp
