Die Glocke vom 25.10.2005

"Very British": Fast so schön wie die "Night Of The Proms"

Symphonisches Blasorchester der Feuerwehr Gütersloh

Gütersloh (hn). Am Ende haben eigentlich nur noch die obligatorischen Fähnchen in den Händen der Zuhörer und der wehende "Union Jack" über der Bühne gefehlt. Mit den Klängen von Edgar Elgars berühmten "Pomp and circumstance" entließ das Symphonische Blasorchester der Feuerwehr Gütersloh seine treuen Fans gut gelaunt in die Sonntagnacht. Zwei Stunden lang ging es im großen Saal der Stadthalle "very british" zu.

Der Titel war Programm, denn der souveräne musikalische Leiter Thomas Boger hatte diesmal einen ebenso abwechslungsreichen wie stimmigen Querschnitt durch die britische Musiklandschaft zusammengestellt, der vom hypermodern angehauchten "Concert Prelude" zur Eröffnung bis eben zu dem Elgar-Klassiker reichte, mit dem auch die Promenaden-Konzerte bei der legendären alljährlichen "Night Of The Proms" in London traditionell enden.

Die "Englisch Folk Song Suite" von Ralph Vaughan Williams mit dem Marsch "Seventeen Come Sunday", dem Intermezzo "My Bonnie Boy" und den "Folksongs From Summerset" brachte das 50-köpfige Orchester noch im konservativen Stil über. Solide und harmonisch gespielt, stellte Boger seinen Klangkörper zunächst in allen Facetten vor.

Dass seine Bläser auch für ausgefallene Arrangements zu haben sind, bewies der Dirigent gleich darauf mit den "Greensleeves". Das von Alfred Reed bearbeitete Werk kam in der symphonischen Vertonung deutlich lauter und "härter" daher, als das sanft schmeichelnde Original.

Mit der "Theatre Music", in der Philip Sparke musikalisch das bunte und fröhliche Treiben vor und hinter den Kulissen beschrieb, entließen die Musiker ihr Publikum in die Pause und machten zugleich Platz für den Nachwuchs.

Das Jungorchester, locker-lässig in Jeans und roten T-Shirts, zeigte einmal mehr, dass sich die traditionsreiche wie qualitätsvolle Feuerwehrkapelle um ihren Nachwuchs keine Sorgen machen muss. Wie eine Hommage an den sprichwörtlichen englischen "Spleen" zelebrierten sie die "Capriol Suite" von Peter Warlock. Und weil zwei Namen zur englischen Musikhistorie dazugehören, wie die Kronjuwelen zum britischen Empire, durften Andrew Lloyd Webber und die Beatles natürlich nicht fehlen. Der eine steht mit seinen Musicals, aus denen sich Boger für das "Phantom der Oper" entschied, der andere für die erfolgreichste Boygroup aller Zeiten, denen die Youngster mit "All These Lonely People", "Yesterday" und "A Hard Days Night" huldigten.

Mit den Themen aus "Robin Hood, König der Diebe" wechselte das Symphonische Blasorchester anschließend ins klassische Filmmusikgeschäft, ehe der beschriebene Epilog den rundum gelungenen Abend beschloss. Britischer geht’s kaum noch.

Hoeltzenbein