Neue Westfälische vom 11.05.2005

Weltreise in 80 Minuten

Konzert des Symphonischen Blasorchesters der Feuerwehr

Gütersloh. „In achtzig Minuten um die Welt“ reisten etwa 400 Gütersloher am Sonntagabend. Ganz ohne Gepäck und Terminstress, hatte doch das Symphonische Blasorchester der Feuerwehr Gütersloh zum Konzert in die Stadthalle geladen. Wer allerdings um 21.20 Uhr mit dem Konzertende rechnete, wurde von Leiter und Moderator Thomas Boger eines Besseren belehrt: „Damit meinen wir die reine Spielzeit“. Eine Eröffnung, die angesichts der klangstarken Leistungen der Bläser den uneingeschränkten Beifall des Publikums fand.

Im ersten Konzertteil durchstreiften die Blauröcke Europa, und zwar abseits der üblichen Bläserliteratur: Bekannte Orchesterwerke wie Johann Strauß’ „Frühlingsstimmenwalzer“ erklangen in einer detailfreudigen und stimmigen Adaption für Bläserbesetzung. Zwar konnte die sich schwerelos wiegende Violine Walzerseligkeit instrumentenbedingt nun einmal nicht im Holz erzielt werden, aber die Oberstimmen bliesen leicht und pointiert, schwungvoll auf den vorwärts strebenden Unterstimmen dahingleitend – eine hörenswerte Version des bekannten Ohrwurms.

Und bei Edvard Griegs „Morgenstimmung“ erzielten die Symphoniker mit enormer, in großen Bögen effektvoll ausgekosteter dynamischer Spanne vom präsenten Piano zum dicht erstrahlenden Forte ein unwiderstehliches Gänsehaut–Feeling. Die majestätische Pracht dieses akustischen Sonnenaufgangs wurde allenfalls durch metrische Ungenauigkeiten ein wenig geschmälert. Mehr Kongruenz erreichte der durchgehend in schneidig-zackiger Eleganz agierende Dirigent Thomas Boger bei Camille Saint-Saëns Pas Redoublé, das, pointiert und spritzig, trotz forciertem Tempo nie aus dem Ruder lief.

Es blieb lebhaft: mit „Gaelforce“, irischer, von Peter Graham konzertsaaltauglich bearbeiteter Volksmusik, standen neben den Perkussionisten auch die Trompeten im Vordergrund, die weich den verhaltenen Zwischenteil bliesen. Nach dem vor stolzer Lebenskraft vibrierenden bekannten Paso Doble „España Cañi“ wurden die Hörer mit der Vesuvbahn, sprich: mit schwungvollem „Funicoli-Funicola“, in die Pause geschickt.

Das Jugendorchester, verstärkt durch die Bläserklasse 8b des Städtischen Gymnasiums, startete mit einem soliden Satz aus Georg Friedrich Händels Feuerwerksmusik, um dann mit der „Titanic“-Filmmusik zum Sprung über den „großen Teich“ anzusetzen. Mit dem Soundtrack zum Hollywoodepos hatte Boger einen guten Griff ins Notenregal getan: Die Jugendlichen gestalteten dieses Werk nicht nur mit dem richtigen Ton zur richtigen Zeit, sondern darüber hinaus sensibel, präsent und stimmig. Dizzy Stratford lag dem Nachwuchs dagegen nur teilweise: Wirkte die Reggae Ballad“ noch etwas aufgesetzt, so fühlten die Jungbläser sich beim „Asia Rock“ hörbar pudelwohl.

Nach einer gelungenen Zugabe überließen die jungen Talente die Bühne wieder den Großen, die mit einem Benny-Goodman-Potpourri waschechten Bigband-Sound zelebrierten, um dann mit zwei mitreißend spritzig-vitalen Tänzen aus Südamerika das Programmende anzusteuern. Als Zugabe kehrte mit Engelbert Humperdincks choral geblasenen „Abendsegen“ andächtige Ruhe ein, bevor sich das Blasorchester mit einer temporeich-volltönenden Wiederholung des „Pas Redoublé“ endgültig verabschiedete.

Heike Sommerkamp