Neue Westfälische vom 11.05.2004
Magische Welten
Beeindruckendes Konzert des Symphonischen Blasorchesters der Feuerwehr
Gütersloh. Der "Herr der Ringe" lockte, und knapp 500 Gütersloher, darunter viele Kinder, fanden am Sonntag den Weg in die Stadthalle. Allerdings intonierte das Symphonische Blasorchester der Feuerwehr Gütersloh keineswegs die Musik zur populären Filmtrilogie, sondern Johan de Meij anspruchsvolle von Tolkiens Roman inspirierte Symphonie "Herr der Ringe" aus den 70er Jahren. Gastsolist Rupprecht Drees steuert mit einem beeindruckenden Trompetenkonzert dem Nachmittag einen weiteren Höhepunkt bei, und auch der Bläsernachwuchs heimste verdient viel Applaus ein
Gleich anfangs ging ein Raunen und Tuscheln durchs Publikum, saßen doch gut 50 Kinder auf der Bühne. Sollte sich das Jugendorchester seit dem letzten Auftritt zahlenmäßig verdoppelt haben? Nein, es hatte nur qualifizierte Verstärkung durch die Bläserklasse 7b des Städtischen Gymnasiums erhalten deren musikalischer Leiter, Thomas Boger, auch Dirigent der Blauröcke ist Mit drei vielseitigen Stücken bewies der Nachwuchs, dass eine ganze Menge in ihm steckt, und ließ als Zugabe gut gelaunt den rosaroten Panther quer durch die Instrumentengattungen schleichen., bevor sie die Bühne den Großen übergaben .
Mit Tomohiro Tatebes "Suite on Celtic Folk Songs" entführten diese die Hörer mit dröhnenden Drums und typischen Dudelsacksound unverzüglich ins schottische Hochland, in dem aber manchmal auch sanfte Winde wehen, wie der ruhigere Mittelsatz bewies. Im folgenden Konzert in f-moll von Oskar Böhme wichen die Bläser, hier in leicht ausgedünnter Besetzung, willig hinter dem Trompeter Rupprecht Drees zurück und gaben dem hochklasigen Solisten damit genügend Gestaltungsraum zur optimalen Entfaltung. In begeisternder, immer tonreiner Techik, mit sauberen Höhen und satten Tiefen, gestaltete Drees seinen Part in vitaler Sensibilität und ergreifender Ausdruckskraft, wobei er selbst in den vermeintlich fingerbrecherischsten Läufen nie in Eile zu geraten schien. Aber auch die langen Töne waren bei ihm dank präzise gestalteter, lebendig ausformulierter Gestaltungsbögen ein Erlebnis. Kein Wunder, dass das begeisterte Publikum ihn zu einer Zugabe nötigte.
Nach der Pause war dann endlich der "Herr der Ringe" dran, und interessiert verfolgte gerade die Jugend, wie das Orchester in großflächigen musikalischen Bildern, per Diaprojektor untersützt, das Bild des ehrwürdigen Zauberers Gandalf gestaltete. Auch der zweite Satz, der den Elbenwald Lothlórien beschreibt, beginn mit ästhetischen Impressionen, die zunehmend an Schönheit verloren und in einer schrillen, lautstarken Dissonanz entdeten, als Romanheld Frodo in die Zukunft schaute. Gollum, die zentrale Figur des ditten Satzes, wurde von den Tolkien-Fans mit lauten "Iiih"-Rufen begrüßt. Und wirklich zeichnete der Komponist ein getreues musikalisches Abbild dieses lichtscheuen, hinterhältigen und überaus widerwärtigen Wesens. Die beeindruckende Gestaltungsleistung der Bläser war folglich für Manchen schwer zu verdauen, und auch im vierten Satz, einer Wanderung im Dunkeln durch die Minen von Moria, setzten die Musiker mit Angst, Verfolgung, aussichtslosem Kampf und finaler Melancholie ein schweres Thema wirkungsvoll, für manchen jedoch all zu wirkungsvoll, um Gut, dass im letzten Satz die fröhlichen, edelmütigen Hobbits charakterisiert wurden: Bei Volkstanz und strahlender Hymne konnte man wieder positive Emotionen tanken und sich auf das friedvoll-verhaltene Ende der Symphonie einstimmen.
Donnernder Applaus dankte den Musikern für ihre beeindruckende Leistung. Zur Zugabe wurde es aber noch einmal still im Saal: mit dem "Abendsegen" aus Engelbert Humperdincks "Hänsel und Gretel" gedachten die Blauröcke dem verstorbenen Hermann Hanebrink.
Heike Sommerkamp
