Westfalenblatt vom 11.05.2004

Blasorchester der Feuerwehr

"Herr der Ringe" mal musikalisch

Gütersloh (WB). “Herr der Ringe” hieß das Leitmotiv des Frühjahrskonzerts des Philharmonischen Blasorchesters der Gütersloher Feuerwehr am Sonntag, das im zweiten Teil ganz von der gleichnamigen romantisch-dramatischen Sinfonie Nr. 1 von Johan de Meij beherrscht wurde. Vorher hatten Thomas Boger und seine Musiker in der gut besetzten Stadthalle mit der “Suite on Celtic Folk Songs” und dem Konzert in f-moll von Oskar Böhme mit dem großartigen Trompeten-Virtuosen Rupprecht Drees die Zuhörer in die rechte Stimmung gebracht.

Der Niederländer Johan de Meij hatte seine Sinfonie unter dem Eindruck der phantastischen Mythenwelt der Roman-Trilogie “Herr der Ringe” des Briten John Ronald Tolkien geschrieben, die auch in der Verfilmung ein Welterfolg wurde. In fünf Sätzen schildert der Komponist Personen und Landschaftsdeutungen aus dem gewaltigen Werk, wie den Zauberer Gandalf mit einem Allegro vivace, die geheimnisvolle Frau Galadriel in einem stimmungsvollen Allegretto, das bösartige Monster Gollum – mal unterwürfig, mal hektisch – mit eindringlicher Sprache in einem Solo des Sopran-Saxofons. Im Finale erscheinen die Hobbits. Im Elbenwald dominierten die Holzbläser als bunte Vögel und Pflanzen, und beim mühe- und angstvollen Weg durch das Feindgebiet klang es monoton bei den Blechbläsern. Der Zweikampf Gandalfs mit dem Ungeheuer endete mit einem melancholischen Trauermarsch.

Dirigent und Orchester gaben eine bravouröse Vorstellung, die den hohen Leistungsstand unterstreicht. Das Publikum würdigte das Erlebnis mit stürmischem Beifall und hörte als Dank dafür den Abendsegen aus Humperdincks “Hänsel und Gretel”. Thomas Boger hatte die jeweiligen Sätze erläutert, effektvolle Bilder unterstrichen das musikalische Geschehen auf einer Leinwand.

Im ersten Teil hatten die Musiker zunächst mit der “Suite on Celtic Folk Songs” den Weg gewiesen, ein dreisätziges Werk von Tomihiro Tatebe mit dem rhythmischen Marsch als Auftakt, einem Gesang der Flöten im “Air” und dem abschließenden populären “Reel”. Ein weiterer Höhepunkt wurde das Konzert in f-moll von Oskar Böhmer mit dem aus Halle stammenden Solo-Trompeter Rupprecht Drees, Solist prominenter Orchester und auch in Gütersloh bekannt als glänzender Künstler.

Drees sorgte schon im Allegro moderato mit breitem Klangspektrum und fein abgestuften Läufen für ständige Spannung insbesondere bei der Kadenz mit brillanten Tonfolgen und ständiger Temposteigerung. Getragen das Andante religioso mit einer schier unerschöpflichen Farbpalette, Trillern und Koloraturen. Dahingaloppierend schließlich das Allegro scherzando mit schlanker Tongebung und großartiger Technik.

Der einleitende Auftritt des Jugendorchesters mit dem Klassenorchester des Städtischen Gymnasiums brachte einen Auftakt mit Schwung und zeigte die immensen Fortschritte der jungen Musiker. Eine gute Kombination, bei der die Kleinsten am rechten Flügel die große Tuba spielten. So hörten wir von Bruce Pearson “Canticle”, Luigi die Ghisallos “Siyahama” und Duke Ellingtons “It don’t mean a Thing”, von Thomas Boger zügig dirigiert. Helle Begeisterung der Zuhörer und als Dank die Reminiszenz an den “Rosaroten Panther” von Henry Mancini.

Karl Heinz Speyer