Die Glocke vom 26.03.2003
Symphonisches Blasorchester
Musiker mit der Lizenz zur Unterhaltung
Gütersloh (cok). Das Symphonische Blasorchester der Feuerwehr Gütersloh wagte für sein Konzert am Sonntag in der Stadthalle Gütersloh einen Ausflug in die dramatische Welt der Filmmusik. Ein gelungenes Experiment.
Unter dem Titel „Film ab!“ präsentierte das Orchester unter der musikalischen Leitung von Thomas Boger populäre Ausschnitte aus den Soundtracks von Kassenknüllern wie „James Bond“, „Star Wars“, „Harry Potter“ oder „Herr der Ringe“. Zum Auftakt des Konzerts, so Thomas Boger, müsse er jedoch ein wenig schummeln. Das Eröffnungsstück „Olympic Fanfare And Theme“ stammte nämlich aus der Feder des bekannten Filmmusik-Komponisten John Williams. war aber 1984 nicht fürs Kino, sondern für die Auftaktveranstaltung der Olympischen Spiele in Los Angeles geschrieben worden (erinnern Sie sich auch an den Mann mit der Flugmaschine auf dem Rücken?). Also keine Filmmusik, aber die Entscheidung Bogers, das Konzert genau mit diesem stück zu beginnen, erschien schon nach wenigen Takten gut nachvollziehbar. Die dramatische, hymnische Komposition ist geschaffen für ein großes Blasorchester. Dementsprechend gewaltig fiel die Interpretation der Gütersloher Feuerwehrmusiker aus, die der Williams-Komposition mit großer Dynamik und Präzision vollauf gerecht wurden.
Im Anschluss an den gelungenen Auftakt war das Jugendorchester an der Reihe. Die Nachwuchsmusikanten spielten zunächst ein Medley weiterer Williams-Stücke aus den Filmen „Star Wars“, „Jurassic Park“ und „E. T.“, um anschließend „Harry Potter“ musikalisch die Ehre zu erweisen.
Zum „Crescendo“ von Klaus-Peter Bruchmann, ein Stück in Anlehnung an Ravels berühmten „Bolero“, nahm dann wieder das Senior-Orchester auf der Bühne Platz. Zum „Bolero“, so Thomas Boger, hatte Bo Derek seinerzeit in einer Skandalszene im Film „Die Traumfrau“ den Mann ihrer Wahl an den Rand der Bewusstlosigkeit gebracht. In einem ähnlichen Zustand durfte am Ende des Stückes der Trommler gewesen sein, der über fast zehn Minuten den langsam beschleunigenden Rhythmus vorgeben musste. Das Orchester präsentierte derweil das Thema im steten Wechsel von Soli und Tutti.
Den Abschluss der ersten Konzerthälfte markierte der „Tanz der Stunden“ aus der Oper „La Giacconda“ von Amilcare Ponchielli. Walt Disney hatte dieses Stück für seinen Zeichentrick-Film „Fantasia“ benutzt. Es begleitet eine Ballettaufführung von (wenig) grazilen Nilpferden und (nicht sehr) galanten Nilpferden.
Nach einer Pause markierte ein Medley aus berühmten James-Bond-Melodien den dramatischen Höhepunkt, der schließlich mit Melodien aus dem Film-Klassiker „Der Zauberer von Oz“ ausklang. Es war ein Abend mit einem anspruchsvollen Programm, das vom Symphonischen Blasorchester der Gütersloher Feuerwehr souverän und mit der nötigen Leidenschaft vorgetragen wurde. Der immense Probenaufwand hat gelohnt.
