Westfalenblatt vom 12.11.2002
Musikalische Weltreise des Feuerwehr-Blasorchesters begeistert
Rund um den Globus mit jazzigen Klängen und schmissiger Filmmusik
Gütersloh (WB). Er sprüht vor musikalischen Einfällen, wirkt stets impulsiv-humorvoll und ist zugleich ein liebenswürdiger Meister der Regie: Thomas Boger (31), Initiator und akkurater Dirigent des Philharmonischen Blasorchesters der Gütersloher Feuerwehr, der am Sonntag in der gut besetzten Stadthalle zu einer "Musikalischen Weltreise" eingeladen hatte. Anschaulich führte er die Zuhörer vom hohen Norden bis zum tiefen Süden Europas und setzte die Fahrt später über den "großen Teich" nach Amerika fort. Sein gut eingestimmtes Ensemble in den blauen Traditionsuniformen glänzte durch homogene Spielfreude und ging auch schauspielerisch und kostümiert mit viel Spaß an der Freud´ auf die jeweilige Situation ein.
In Salzburg und Wien begann die Reise mit der Ouvertüre aus Mozarts "Figaros Hochzeit". Aus Tschechien und Prag unterbreiteten die Musiker Bedrich Smetanas Polka und Finale aus "Die verkaufte Braut". Deutschland und das Märchenschloss Neuschwanstein waren vertreten mit Richard Wagners "Pilgerchor" aus der Oper "Tannhäuser". Vorreiter bei der Reise nach Norwegen zu Edvard Griegs "Peer Gynt Suite Nr. 1" war das hoch begabte Jugendorchester, aus dem einige Bläser schon im Konzert der "Großen" mitmischen. Und dann ging es schnurstracks nach Spanien zur feurig bewegten "Fete dieu à Sevilla". Erstaunlich, welche Ausdrucksmöglichkeiten die ursprüngliche Klavier-Suite "Iberia" von Isaac Albeniz in der Transkription für großes Blasorchester fand!
Recht bunt ließ sich der zweite Teil an mit Musik vom amerikanischen Kontinent sowohl im Jazz à la USA wie auch Lateinamerika. Hier bewährte sich der Nachwuchs erneut in Dizzy Stratforts "Easy Pop Suite" mit großartiger und reifer Wiedergabe. Viel Exotik, Rhythmik und ein großer Schlagzeug-Einsatz erfüllten die drei Sätze. Henry Mancinis Filmmusik zu "The Pink Panther" mit dem Raubkatzengebrüll der Blechbläser leitete über zu einem Ausschnitt aus Old-England mit der "State Occasion" von Barrie Hingley. Aus der zusätzlich brillierenden Posaunen- und Trompeter-Gruppe ragte der englische Gardist in roter Paradeuniform mit Bärenfellmütze und britischer Exaktheit besonders hervor. Ein netter Gag von vielen.
Traditional-Jazz war danach angesagt: Ein Glenn-Miller-Medley mit "In the Mood" und anderen Schätzchen brachte auch die Zuhörer zum Mitswingen. Exzellent der Solo-Trompeter. Im Latino-Mexicana-Finale zeigten sich einige Herren in bunten original Hawaii-Hemden bei der "Second Suite for Band" von Alfred Reed mit einem Abstecher nach Kuba und Rumba-Rasseln, dem Strandleben am Meer, einem kleinen Bummel und der Brautschau.
Riesenbeifall für den vielseitigem Thomas Boger und sein Orchester nach diesem zauberhaften und bewegten Ausflug in alle Himmelsrichtungen, dem die Band an Zugaben nichts schuldig blieb: Mit der schmissigen Filmmusik "Tico Tico" und dann - beschaulich ausklingend - mit Humperdincks "Abendsegen" aus seiner Oper "Hänsel und Gretel".
Karl Heinz Spreyer
