Neue Westfälische vom 12.11.2002
Gelungenes Herbstkonzert des Symphonischen Blasorchesters der Feuerwehr
Orchestrale Glanzstücke
Gütersloh. Eine musikalische Weltreise auf hohem Niveau bot das Symphonische Blasorchester der Feuerwehr Gütersloh am vergangenen Sonntag im großen Saal der Stadthalle. Unter der engagierten Leitung von Dirigent Thomas Boger avancierte das traditionelle Herbstkonzert zu einem orchestralen Glanzstück, bei dem Klassik und Moderne vor der farbenprächtigen kosmopolitischen Themenkulisse einen ganzheitlichen Klang-Eindruck beim Publikum hinterließen.
Das Orchester hatte ihn gleich zu Beginn als "musikalischen Dompteur" tituliert, doch Thomas Boger, der auch die Moderation dieses Abends innehatte, war um eine Antwort nicht verlegen: "Ich werde versuchen, meine Raubtiere zu bändigen" - dieses Versprechen löste er ein, zuerst mit Mozarts Ouvertüre zu "Figaros Hochzeit", die durch eine elanvolle Umsetzung den klassischen Akzent des Repertoires betonte.
Nach diesem Aufenthalt in Wien machte das Orchester einen folkloristischen Abstecher in das Prag von Bedrich Smetana, um dann im Schloss Neuschwanstein mit Richard Wagner einen Programmhöhepunkt zu beschreiten. Der "Pilgerchor" wurde als Arrangement direkt aus der "Tannhäuser"-Oper zum Ausdruck typisch Wagnerscher Monumentalität. Apollinische Gelassenheit schaffte nach dem dionysischen Wagner-Opus das Jugendmusikkorps, dessen Vortrag der "Peer Gynt Suite Nr. 1" zeigte, das dieses Werk atmosphärisch weit über den Harmoniebegriff einer Weichspülwerbung hinausgehen kann.
Auch im zweiten Teil des Konzerts konnte der musikalische Nachwuchs beweisen, dass sein Weg ins große Orchester nicht mehr weit ist, nicht zuletzt deshalb lobte Boger die Anstrengungen der jungen Musiker, von denen einige bereits im Konzert der Großen tonangebend geworden sind. Doch Barrie Hingleys "State Occasion" machte nicht nur dem Empire alle Ehre, sondern verschaffte dem Vorrecht der Älteren wieder mit viel soldatischem Schneid sowohl das nötige Gehör, als auch den richtigen Blickfang in Gestalt eines Trompeters in der Uniform der britischen Hofgarde. Was dem symphonischen Blasorchester in seiner Geographie bis dato noch fehlte, waren die Klänge der Neuen Welt, und was bietet sich da für ein Orchester eher an, als ein Werk der Swing-Ikone Glenn Miller? Der Charme der dreißiger Jahre lebte im Big-Band-Stil wieder auf, die Saxophonisten, die sich originalgetreu in schwarzes Tuch gehüllt hatten, kamen hier genauso auf ihre Kosten wie ein hingerissenes Publikum.
Letzter Anlaufpunkt der Reise war Kuba mit der "Second Suite for Band" von Alfred Reed, lateinamerikanisches Temperament rundete den thematischen Rahmen der Veranstaltung ab. Unter der mächtigen Woge des Applauses blieb dieses Stück nicht das letzte des Abends, die Zugaben waren obligatorisch.
Jonas Hübner
