Neue Westfälische vom 13.11.2001

Orchestrale Feinarbeit

Herbstkonzert des Symphonischen Blasorchesters der Freiwilligen Feuerwehr mit Turnersängern in Stadt

Gütersloh. Ganz der Opern- und Musicalbühne verschrieben hatte sich das Symphonische Blasorchester der Freiwilligen Feuerwehr Gütersloh-Zentral beim Herbstkonzert. Doch nicht nur dieser Zug ins "dramatische Fach" bestimmte den Sonntagnachmittag in fast ausverkaufter Stadthalle.

Vor allem die Mitwirkung der Turnersänger unter der Leitung von Martin Gentejohann ließ die letzten drei Nummern des zweistündigen Programms, vor allem das "Gran Finale" des zweiten Aktes aus Verdis Aida, mit Triumphmarsch und Ballettmusik der Mohrensklaven, zu einem interpretatorischen Höhepunkt in der Geschichte beider Vereine werden.

Doch bevor beide Ensembles in Andrew Lloyd Webbers "Masquerade" und dem Evergreen "Memory" und bei Verdi ihren hohen Anspruch eindrucksvoll einlösten, konnte Dirigent Thomas Boger den hohen Leistungsstand seiner beiden Orchester demonstrieren.

Das Jugendorchester nicht mehr als Extrabeilage abzuschieben, sondern mit ebenbürtiger Angabe im Programmheft zu würdigen, dürfte dem Selbstwertgefühl der Gruppe entsprechen. Hier wird die Basis für die Arbeit im großen Orchester gelegt, und das mit besten Aussichten für das qualitätsvolle Bestehen des A-Ensembles. Wie die "Kleinen" Humperdincks "Hänsel und Gretel" musikalische Gestalt gaben, war nicht ohne Feingefühl. An Schmiss und Schwungkraft hat es den Jungen nie gemangelt, so dass auch modernere Stücke, "Esprit" von Kevin Daely und "Jubilations" von Bruce Pearsonapplaustreibend dargebracht wurden.

Beim großen Orchester geht´s nicht mehr ums Grundsätzliche. Das können sie schon, deshalb kann sich Thomas Boger um die Details kümmern. Das macht sich dann bei Stücken wie Webers "Oberon"-Ouvertüre positiv bemerkbar, der es bei aller Impulsivität weder an strahlendem Oberflächenglanz noch an Feinschliff in den Mittelstimmen fehlte. Geradezu beängstigend akkurat umgesetzt. Hochachtung. Auch das Musical "Chess", von den beiden Abbas Benny und Björn erdacht und von John de Meij perfekt arrangiert, profitierte von dieser genauen Arbeit im Mikrobereich.

Dass nur so Verdis imposant in Szene gesetzte "Aida"-Musik verantwortlich zu realisieren ist, versteht sich von selbst. Riesiger Beifall für die gelungene Zusammenarbeit zwischen Chor und Orchester. So lebt auch diese Tradition zukunftsträchtig fort.

Matthias Gans