Westfalenblatt vom 30.05.2000
Konzert mit Gentlemen aus England
Symphonisches Wildwest-Ballett
Gütersloh (WB). Seitdem der Feuerwehr-Musikzug sich zum "Symphonischen Blasorchester der Feuerwehr" hat umtaufen lassen, und nicht mehr nur das übliche Repertoire von Marsch bis Polka von sich gibt, muss der junge Dirigent sein Publikum schon mal behutsam auf die Eigenheiten des bevorstehenden Stückes einstimmen.
"Erschrecken sie nicht vor dem Schlagzeug" schickte Thomas Boger am Sonntag der "Second Suite in F" von Gustav Holst voraus; was man zu hören bekomme sei kein plötzlicher Übermut sondern Absicht. Die Vorwarnung ließ es schon ahnen: Das Symphonische Blasorchester bot in der Stadthalle ein komplexes und facettenreiches Konzert, eine unterhaltsame Zusammenstellung von Oper- und Musicalmelodien, folkloristischen und militärischen Stücken. Zu Gast: Der Anston Male Voice Choir unter der bewährten Leitung des Waliser Howard Thomas.
Während das Feuerwehrorchester sein Publikum gleich zu Beginn schwung- und klangvoll mit dem Florentiner Marsch wachrüttelte, präsentierten sich die Gentlemen aus Anston eher britisch zurückhaltend. Lediglich vom Piano begleitet gaben sie harmonisch und gedämpft Volksgut von der Insel zum Besten, sangen sich von dort aus ins jamaikanische Kingston Town und entfalteten erst beim "African Prayer" für einen kurzen Moment ihr volles Stimmvolumen, das Jugendorchester der Feuerwehr nahm sich im Anschluss Jacob de Haans "Hanseatic Suite" an.
Nach der Pause folgte das große Drama mit dem anfangs leicht verstimmten "Phantom der Oper", bombastisch mit Kirchenorgel hinterlegt. Der Anston Chor setzte noch einen drauf (oder auf); die Melodien aus dem Musical Oklahoma trugen die Sänger unter dem Schutz ihrer Cowboyhüte vor. Unterhaltsam und noch immer anspruchsvoll ging es mit dem Blasorchester und dem Pineapple-Poll-Ballett weiter, dieses Stück wurde erst durch das präzise gesetzte Zwischenspiel eines wohlklingelnden Handys zur Vollendung gebracht. Offiziell vollendet wurde das gelungene Konzert schließlich mit vier Zugaben.
