Westfalenblatt vom 14.11.2000
Konzert der Feuerwehr-Symphoniker
Orchester hat Musikalität bewahrt
GütersIoh (WB). Das Symphonische Blasorchester der Gütersloher Feuerwehr ist immer für eine Überraschung gut, so auch diesmal: Mit dem Musikzug der Feuerwehr Ennest, einem zu Attendorn gehörenden Sauerlandort, hatte man einen Klangkörper zum gemeinsamen Musizieren eingeladen, der bei Landes- und Bundes–Wettbewerben Preisträger wurde. „Faszination Blasmusik" war das Motto des zweieinhalbstündigen Konzerts am Sonntag in der Stadthalle, an dem auch der eigene Nachwuchs beteiligt war. Im zweiten Teil vereinigten sich die Orchester zu einem Klangkörper von mehr als hundert Musikern.
Das Konzert bot Klassik und Unterhaltungsmusik vom Feinsten, sieht man von anfänglichen Abstimmungs-Schwierigkeiten ab, die schnell geglättet wurden. Zunächst aber zum Gütersloher Symphonischen Orchester: Es hat sich unter der zielstrebigen Leitung von Thomas Boger der neuen Aufgabe gut erschlossen. Durch die Umstellung der Instrumente, wie die Erweiterung der Saxophongruppe, klingt die Musik geschmeidiger, ist klug ausbalanciert und hat an Glanz und Farbe gewonnen. Dabei bewahrte das Orchester seine frische und lebendige Musikalität und bereichert das Gütersloher Musikleben in hohem Maße. Die Gastgeber unter Regie des temperamentvollen Thomas Boger eröffneten das Konzert mit Mozarts Ouvertüre zu "Die Zauberflöte" und boten eine gute Leistung auch in den drei Sätzen der "First Suite in Es" des Briten Gustav Holst mit dem gravitätischen Schreittanz, dem verspielten Intermezzo und einem heroischen Marsch. Das Jugendorchester, das beachtliche Fortschritte gemacht, hat, ließ mit dem malerischen Tongemälde "The Castle of Bray", der Residenz des königlichen Statthalters, aufhorchen und bot eine kleine Zugabe. Die Gäste aus Ennest, dirigiert von Ingo Samp (27), begannen ihren Beitrag mit dem Finale aus Dvoraks 9. Sinfonie "Aus der Neuen Welt", eine schwierige Aufgabe, und holten sich danach Sonderbeifall für den furiosen Springtanz aus Smetanas "Die verkaufte Braut". Ein Bulgarischer Tanz von Bittmar leitete über zum zweiten Teil, den die vereinigten Orchester unter wechselnder Leitung mit dem "Ceremonial March", einer Huldigung an den Komponisten Edward Elgar, und sein Werk, eröffneten. Die "Kleine Ungarische Rhapsodie" vom Bösendorfer mit Puszta- und Csardas–Klängen enthielt – wenn auch gut verpackt – viel Bekanntes. Symbolisch schließlich das "Aquarium" mit dem graziösen Allegretto, einem getragenen Andante und dem lautstarken "Giocoso". Der Konzertmarsch "Arsenal" und das musikalische Feuerwerk von John Williams aus dem "Krieg der Sterne", für Blasorchester besonders zugkräftig, waren noch nicht das Ende: Der begeisterte Applaus erzwang als "Draufgabe" Puccini’s "Keiner schlafe" aus der Oper "Turandot" und den "St. Thomas Choral" von Stanek. Und das, obwohl der zuweilen etwas weit ausholende Ansager Georg Elsässer aus Ennest humorvoll eine "Zugabe als schlimmste Form der Ausbeutung" bezeichnet hatte. Für die Dirigenten gab es hübsche Geschenke und Blumen. Zu Beginn hatte Harald Ehl, der Senior der "Symphoniker" und Organisator, die vielen Freunde und Gäste der Feuerwehr begrüßt.
Karl Heinz Speyer
