Neue Westfälische vom 22.11.1991
11. Gemeinschaftskonzert von Feuerwehr und Turner-Sängern in der Stadthalle
Ausverkauftes Haus und stürmischer Beifall
Gütersloh. Mit Schneid und Schmiß eröffneter der Musikzug Gütersloh-Zentral der Freiwilligen Feuerwehr die Vortragsfolge des 11. Gemeinschaftskonzertes in der Stadthalle und ließ dem Marsch „National Emblem“ von E. E. Bagley die „Carmen“-Ouvertüre von Georges Bizet folgen. Peter Bernard („Pibie“) Smith MBE und seine Gemeinschaft sind dem angestrebten Klangbild abermals ein großes Stück nähergekommen.
Der Männerchor des Turner-Gesangvereins, wie dessen Gemischter Chor unter der Leitung von Wilhelm Lienke, ließ ebenfalls aufhorchen: Rhythmisch scharf akzentuiert ließ er „Frühes Wandern“ von Solojew-Sedeg im Arrangement von Quirin Rische erklingen, eine Neueinstudierung zur Freude der traditionell großen Zuhörergemeinde, die auch mit Bekanntem aus dem Repertoire wie dem Strophenlied „Wenn Zigeuner Hochzeit machen“ (Gus Anton) mit effektvoller Akzeleration reichlich auf ihre Kosten kam. Der Gemischte Chor gewann schon im ersten Teil des Konzertes frische Sympathie mit „Ich weiß eine schöne Rose“ (O. Rutenberg), erst recht aber mit „Es klingt ein Lied“ von Otto Groll mit Maik Herrmann Kramers prächtigem Trompetensolo. Heiner Breitenströter begleitete die Turner-Sängerinnen und -sänger zu einem Teil ihrer Darbietungen am Flügel. Dem Orchester gelangen mit dem kastagnettenklappernden Konzertwalzer „Espana“ von Emil Waldteufel und „Ballet Parisien“ von M. J. Isaac nach Jacques Offenbach wahre Glanznummern. Die Freude am grandiosen Triumphmarsch aus „Aida“ von Guiseppe Verdi nahm das Publikum mit in die Pause.
Der zweite Teil ließ die Herzen derer höherschlagen, die traditionsreiche deutsche Märsche lieben. Die Aussicht, den „Fehrbelliner Reitermarsch“ von Richard Henrion („Wir wollen unsern alten Kaiser Wilhelm wiederha´m“) hören zu können, dürfte manche ins Konzert gelockt haben. Mit vier der besten Trompeter des Musikzuges als Herolden und Harald Ehl, dem Vorsitzenden der Kapelle, mit weißen Stulpenhandschuhen an den Pauken, wurde der Vortrag zum Ohrenschmaus, in seiner Vortragsqualität noch übertroffen von der „West Side Story“-Melodienfolge, deren sehr musikalische und sorgfältige Wiedergabe Leonard Bernsteins Schöpfung Ehre machte. In der Originalität der Darbietung sehr reizvoll: „Donkey Serenade“ (Friml/Stothart), Ausschnitte aus der Filmmusik zu „Lawrence of Arabia“ (Jarre) und der unsterbliche „Tiger Rag“ (La Rocca) aus den 40er Jahren. Dazwischen lagen – vom Männerchor flott gesungen – „Die Post im Walde“ mit Maik Herrmann Kramers zweitem Trompetensolo und „Wo es Mädels gibt, Kameraden“ aus der „Blume von Hawaii“ von Paul Abraham und die drei Beiträge des Jugendchores unter Claudia Gentejohanns pädagogisch geschickter Leitung. Am Flügel: Florian Schäfer.
Dirigent und Pianist wechselten Jacketts und Rollen zum Liede „Sing mit mir“ beider Turnerchöre, und alle Mitwirkenden fanden sich zusammen zum Marschlied „Grüße vom Rhein“ (Sommer/Schmidt-Binge). Vor dem Abschied vom 11. Gemeinschaftskonzert ließen das Orchester die „Happy Polka“ (Auer-Anbach) und der Gemischte Chor „Ein schöner Tag ist voll Musik“ nach der Melodie „When the Saints“ erschallen (am Flügel „hottete“ Wilhelm Lienke). Mit dem „Ungarischen Tanz Nr. 5“ von Brahms banden „Pibie“ und seine Kapelle den Sack zu. Wer im nächsten Jahr noch lebt, kommt bestimmt zum 12. Gemeinschaftskonzert!
