Neue Westfälische vom 29.05.1991

Feuerwehrkapelle feiert 110. Geburtstag

Treffpunkt Musik

Gütersloh. Zu 120 Minuten Geburtstagsständchen lud der Musikzug der Freiwilligen Feuerwehr Gütersloh in die Stadthalle ein. Ein Ständchen, dass sie sich fast selber gegeben hätten, wenn da nicht der Anston-Männerchor aus Sheffield gekommen wäre, der unter der Leitung von Musikdirektor Howard Thomas Bekanntes, weniger Bekanntes, Hits und Volkslieder in ihrem Geburtstagspaket mitgebracht hatten. Aber natürlich waren da noch viele Gratulanten in Form von Ehrengästen. Zahlreich erschienen auch die alten und neuen Fans der über die Grenzen unserer Stadt hinaus bekannten Kapelle. In einer kurzen Ansprache begrüßte das dienstälteste Mitglied, Harald Ehl, den anwesenden Bürgermeister Karl-Ernst Strothmann sowie den Stadtdirektor Dr. Gerd Wixforth und viele mehr, die an diesem schönen Sonntagnachmittag den Weg zum Geburtstagskind gefunden hatten.

Nun wurden Werke von May Steine, Gustav Holst, Leory Anderson und Emrys Jones zu Gehör gebracht. In den ersten Stücken hatten einige Musiker merkliche Ansatzprobleme, die aber sicher auf das unvermeidbare Lampenfieber zurückzuführen war. Ein besonderes Bonbon hatte der Männerchor vorbereitet, das Lied „Nacht“ von Franz Schubert brachte der Sheffielder Chor in klarstem Deutsch dar. Nach einem „Spirituals Potpourri“ aus der bearbeitenden Feder des Leiters des Musikzuges, Peter Bernhard Smith, stand als letzter Punkt vor der Pause das Finale aus der 4. Sinfonie von Peter Tschaikowsky auf dem Programm. Ein Stück, das technische Höchstleistung von jedem Musiker verlangt, wurde schwungvoll und in rasantem Tempo präsentiert. Hier bewies das Orchester auch sein außerordentlich großes Können außerhalb des herkömmlichen Genres „Blasmusik“.

Im zweiten Teil wurde die Atmosphäre zwangloser, nicht nur, weil die Uniformjacken ausgezogen wurden. Mr. Smith ergriff nun auch das Wort. Wer ihn kennt, lehnte sich bequem zurück, es gab was zum Schmunzeln. Nach dem Fliegermarsch von Dostal und Melodien von Gilbert A. Sullivan, der in den 10er Jahren zu ähnlicher Berühmtheit gelangte wie zu unserer Zeit A. Lloyd Webber, wurden vom zuletzt genannten Songs wie „Memory“ aus „Cats“ und „Musik of the Night“ aus „Phantom der Oper“ präsentiert. An diesen Stücken bewies der Chor seine Qualitäten auf dem Parkett des Musicals.

Als Höhepunkt des Konzertes kann und muß man aber die Darbietungvom Schlagzeuger Harald Ehl bezeichnen. Obwohl er seinen Auftritt mit sehr viel Humor ankündigte, bewies er ohne Abstriche auf dem Xylophon sein Können mit einer Fantasie über das Lied „Lang, langs ist´s her“ und „Erinnerungen an Zirkus Renz“. Zum Abschluß präsentierten das Orchester gemeinsam mit dem Chor „The Rhythmic of Life“ aus „Sweet Charity“, Rhythmen, die sofort ins Blut gingen. Ein Nachmittag, der für jeden Geschmack etwas zu bieten hatte, und obwohl aus 120 Minuten längst 140 geworden waren, keine Sekunde langweilten.

Annette G. Rudolph