Die Glocke vom 28.05.1991

110 Jahre Feuerwehr-Musikzug

Publikum hörte begeistert Konzert der Feuerwehrmusiker und des Anston-Chores

Gütersloh (sch). Vor genau 110 Jahren scharte der Gütersloher Kaufmann Ludwig A. Veerhoff musikfreudige Feuerwehrmänner um sich. Der Musikzug der Feuerwehr Gütersloh war gegründet, 16 Jahre lang geleitet von Ludwig Veerhoff. Unmittelbar nach dem 2. Weltkrieg fanden sich wiederum Feuerwehr-Musiker zusammen. Unter der Leitung von Karl Langer wurde dieser Klangkörper weit über die Grenzen der Dalkestadt bekannt. Seit 1980 dirigiert nun Peter Bernard Smith MBE den Musikzug der „Freiwilligen Feuerwehr Gütersloh-Zentral“, so sein offizieller Name. Peter Bernard Smith, ehemals königlich-britischer Militärmusiker, durchbrach die männliche Domäne des Feuerwehrblasorchesters, denn dank seiner Vorliebe für Holzblasinstrumente verstärken nun unter seine Ägide auch Damen das Klarinetten- und Flötenregister.

„Treffpunkt Musik“ – dieses Geburtstagsgeschenk machte der Gütersloher Musikzug den Bürgern der Stadthalle; ein Festkonzert im Zusammenwirken mit dem Anston-Männerchor (Sheffield/Nordengland). Korpsführer Harald Ehl, dienstältester aktiver Musiker, begrüßte die Geburtstagsgäste, unter ihnen Bürgermeister Karl Ernst Strothmann MdL, Stadtdirektor Dr. Gerd Wixforth, Kreisbrandmeister Fritz Dallmeyer und den Landesstabführer Werner Ketzer (Rietberg).

Der Anston-Männerchor unter der Leitung von Musikdirektor Howard Thomas ist in Gütersloh nicht mehr unbekannt. Schon zweimal gastierten die 30 Männer hier. Freundschaftliche Beziehungen bestehen zum Feuerwehrmusikzug, der ebenfalls in Anston, einem kleinen Vorort von Sheffield, aufgespielt hat. Die Chormitglieder sind reine Amateure, alle Berufe sind vertreten. Die Freude am Gesang hat sie zusammengeführt, wie Dirigent Howard Thomas, von Haus aus Schuldirektor, in einem Pausengespräch der „Glocke“ sagte. Von alten Volksliedern über kirchliche Hymnen und Kunstliedern bis hin zu modernen Weisen reicht das Repertoire des 20 Jahre alten Chores. So war den Sängern spontaner Beifall nach den einzelnen Darbietungen gewiß, waren es nun walisische, schottische, englische oder gar russische Volksweisen. Besonders herzlichen Applaus gab es für das deutsch gesungene Schubertlied „Die Nacht“. Alles in allem ein sehr wohlklingender Chor mit einer exakten Intonation.

Anspruchsvoll, präzise und gekonnt bis zu letzten Stimme – so präsentierte wieder einmal Peter Bernard Smith seine Musikerinnen und Musiker. Er habe schon als 15jähriger Peter Tschaikowsky gespielt, verriet P. B. S. „Tschaikowsky steht fast immer auf dem Programm. Da kann das Orchester so richtig loslegen. Die Frustration ist weg. In diese Musik kann man sich reinbeißen“, so wörtlich der Kapellmeister. Und gerade die Interpretation dieser sinfonischen Musik beweist das Können seines Klangkörpers. Besonders kam beim Publikum das harmonische Zusammenspiel Chor/Musikzug an, sei es beim „Spirituals Potpourri“, bei „Music of Night“ aus „Phantom der Oper“ oder bei „The Rhythm of Life“ von Cy Coleman. Stürmischen Beifall gab es für zwei Solostücke, auf dem Xylophon virtuos gespielt von Harald Ehl. Bandleader Smith rief nach dem ersten Solo sorgenvoll zwei „Rettungssanitäter“ auf die Bühne. Fachmännisch wurde Harald Ehl wieder „aufgepäppelt“. Um so schwungvoller und fingerfertiger erklangen dann seine „Erinnerungen an Zirkus Renz“. Eine humorvolle Einlage am Schluß eines gelungenen Geburtstagskonzertes. Für Späße sind die Feuerwehrmusiker immer zu haben.