Die Glocke vom 30.05.1995

P. B. Smith und Freunde zogen alle Register

Gütersloh (wk). In Gütersloh besteht eine erstaunliche Aufgeschlossenheit gegenüber Konzerten. Trotz der Konkurrenz zweier anderer Veranstaltungen dieser Art und trotz des warmen Sommerwetters nahmen mehr als 500 Gäste an dem Konzert teil, zu dem die Feuerwehrkapelle Gütersloh unter dem Motto „Von Melodie zu Melodie“ in die Stadthalle eingeladen hatte. Als klangliches Kontrastprogramm trat der Männerchor aus Anston/Sheffield in Großbritannien auf. Die Blasmusiker und die Sänger verbindet eine langjährige Freundschaft, die sich in wechselseitigen Besuchen niederschlägt.

Beifall brandete auf, als Dirigent Peter Bernhard Smith die Bühne betrat. Der immer gut gelaunte und humorvolle Engländer hat sich in 15jähriger Tätigkeit die Herzen der Gütersloher erobert und dies nicht nur durch seine musikalische Fachkompetenz, sondern auch durch seine menschliche Ausstrahlung. Der „Glocke“ erklärte der 62jährige, dass er nicht gedenkt, mit 65 Jahren in den Ruhestand zu treten und die Gütersloher Feuerwehrkapelle gern noch eine zeitlang weiter prägen möchte. Zu diesem Zweck hat er ein Jugendorchester gegründet, das jene Solisten ausbildet, die bei Bedarf in das Hauptorchester nachrücken. Ohnehin bestehe die Altersgrenze, die der Gesetzgeber für aktive Feuerwehrmänner gesetzt hat, nicht für Musiker, selbst wenn sie den blauen Rock tragen.

Smith ist nicht nur Musiker und Musikpädagoge, er betätigt sich auch gern als Tondichter. So stammte der erste Beitrag „Fanfare for a Ceremony“ aus seiner Feder. Das war sogar eine Uraufführung. Eigentlich sollte die Komposition bei der Grundsteinlegung für das Kreishaus, zu der die Feuerwehrkapelle gerufen worden war, aufgeführt werden, doch im letzten Moment wurden die Gütersloher wieder ausgeladen. Wenn schon Kreishaus, dann auch Musiker der Kreismusikschule befanden damals die Oberen, war zu hören. Die kurze Komposition leitete dann über zur Ouvertüre zur Oper „Nabucco“ von Verdi. Hier bereits zog Smith alle Register. Dann übernahm Howard Thomas die Regie. Mit englischen Kompositionen nach Art der Liedertafel bewiesen die Gäste solides Können, wenngleich der Chor die gleiche „Krankheit“ ausweist, wie viele in Deutschland: Es fehlt an jugendlichem Nachwuchs, das Durchschnittsalter liegt bei 60 Jahren.

Mit dem Soldatenchor aus Gounods „Faust“ traten Instrumentalisten und Chorgemeinschaft zum ersten Mal gemeinsam auf. Genau so gut klappte dann das Zusammenspiel in Wagners Pilgerchor aus „Tannhäuser“.

Nach der Pause stellte sich das Jugendorchester vor und intonierte als Einstimmung der Gäste das Walisische Volkslied „All through the night“ in der Bearbeitung von P. B. Smith und „Hier kommt die Feuerwehr“. Smith nahm die Gelegenheit wahr und warb um Interessenten an der Blasmusik. Besonders gefragt sind Anwärter für die Instrumente Klarinette, Tenorsaxophon, Horn, Bariton und Tuba. Auch „blutige Anfänger“ seine willkommen.

Etwas fehlte an diesem Konzert: Harald Ehl mit seinem Xylophon, das er früher virtuos handhabte. Aber nach einer Handoperation müsste er „von vorne anfangen“. Als Schlagzeuger bleibt er dem Orchester erhalten. Ehl begrüßte eingangs die Zuhörerinnen und Zuhörer, darunter stellvertretender Bürgermeister Gerhard Piepenbrock und Stadtrechtsrat Michael Hammon. Mit dem vom Auditorium mit Beifall aufgenommenen Wunsch, Hammon möge möglichst lange in Gütersloh bleiben, gab Ehl der Begrüßung einen kleinen politischen Touch.

Knott