Westfalenblatt vom 05.03.1996

Frühjahrskonzert des Feuerwehr-Orchesters

Musiker tauschten Uniform gegen historisches Kostüm

Gütersloh (-ott). „Wiener Bonbons“ lautete der Arbeitstitel des großen Frühjahrskonzertes, zu dem der Musikzug der Freiwilligen Feuerwehr Gütersloh in die Stadthalle eingeladen hatte. Das sachverständige Gütersloher Publikum feierte die Blaskapelle, deren Instrumentalisten diesmal nicht die blaue Uniform angelegt hatten, sondern Kostüme aus jener Zeit, als sich der Walzer zu einer noch heute unerschütterlichen Weltmacht entwickelte. Einen Teil der Exponate hatten die Bielefelder Bühnen zur Verfügung gestellt. Schwerpunkt waren Kompositionen mehrerer Komponisten mit dem weltberühmten Namen Strauß.

Es sei nicht leicht, einen auf strikte herkömmliche Blasmusik gewöhnten Klangkörper an solche schwingende Musik heranzuführen, aber sein Ensemble, von erstklassigen Solisten geprägt und in unzähligen Stunden der Zusammenarbeit erprobt, sei jetzt reif dafür, freute sich Dirigent Peter Bernard Smith über den Erfolg von 730 begeisterten Zuhörern, darunter Stadtdirektor Dr. Gerd Wixforth und Altbürgermeister Karl Ernst Strothmann. Smith selbst hatte die Kompositionen auf Blasmusik transponiert. Besondere Arbeit machte dabei der „Einzugs-Galopp“ op. 35 von Johann Strauß Vater, dessen verschollene Originalpartitur er aus Wien anforderte und bearbeitete. Die Österreicher schickten gleich Dias mit, die an die Rückwand projiziert, mit Prater-Riesenrad, Fiaker, Stephansdom und anderen weltberühmten Sehenswürdigkeiten „Weaner“ Flair verbreiteten.

Mit der Ouvertüre zur Operette „Die Fledermaus“ eröffneten die Musiker das Programm. Diverse Polkas und Charakterstücke wurden brillant vorgetragen, wie berühmte Walzer-Evergreens. Mit der Solistin Jessica Walden (Sopran) aus Bielefeld hatte Smith zwar eine erstklassige Künstlerin verpflichtet, doch leider ging ihre Stimme bei den Liedern von Franz Grothe, Carl Zeller, Robert Stolz und Gerhard Winkler etwas unter. Die Zuhilfenahme der Stadthallen-Technik wäre vielleicht besser gewesen. Mit der Ouvertüre zu Orpheus in der Unterwelt von Jacques Offenbach wurde das Programm, durch das Harald Ehl führte, souverän beendet.

Drei Feuerwehr-Musiker standen im Mittelpunkt des Konzerts. Bundesstabführer Werner Ketzer überreichte Auszeichnungen, welche die Bundesvereinigung der Blas- und Volksmusikverbände verfügt hatte. Für 15jährige Dirigententätigkeit nahm P. B. Smith die Silberne BdBV-Ehrennadel entgegen. Heinz-Willi Krümpelmann und Hermann Hanebrink erhielten die gleiche Auszeichnung für 30jähriges Musizieren in Gold.

Der erfolgreiche Tondichter Peter Bernhard Smith steht vor dem Abschluß eines weiteren Werkes, die er dem irischen Patrioten James Joyce gewidmet hat, von dem er 34 Arbeiten vertont hat. Sie sollen noch in diesem Jahr uraufgeführt werden. Smith (62): „Ich stecke noch voller Ideen und könnte 100 Jahre alt werden.“

Wolfgang W. Knott