Die Glocke vom 24.03.1999
Frühlingskonzert als Feuertaufe
Bogers Musikzug bescherte ein temperamentvolles Programm
Gütersloh (mbe). Der zündende Funke sprang gleich mit dem ersten Stück über. Der Musikzug der Freiwilligen Feuerwehr Gütersloh spielte zum ersten Mal unter der Stabführung seines neuen Dirigenten, des 29jährignen Vollblutmusikers Thomas Boger. Das ambitionierte Programm des Frühlingskonzerts enthielt Werke der Meister des 19. Jahrhunderts in Bearbeitungen für sinfonisches Blasorchester, die allerhöchste Ansprüche an die spieltechnischen Fähigkeiten der 50 Mitwirkenden stellten. Nach dem brillant intonierten "Marche Militaire Francaise" von Saint-Saens, folgte die berühmte "Akademische Festouvertüre" von Johannes Brahms. Unter der temperamentvollen Führung des jungen, dynamischen Dirigenten wurde das vom heiteren Duktus studentischer Lieder geprägte Werk gestaltungsintensiv zu einem exzellenten Hörgenuß entfaltet.
George Bizets Suite Nr. 2 "L´Arlienne" erklang in der Bearbeitung durch Hermann Finck und W. J. Duthoit. Kraft der zwingenden Führung von Thomas Bogers wurde mit der Aufführung des viersätzigen Werks eine in allen Teilen fesselnde Interpretation vorgestellt: Im ersten Satz waren die einzelnen Instrumentalgruppen nacheinander gefordert und bestachen mit packende ausgelotetem Vortrag. Kammermusikalischen Charakter zeichnete das Menuett mit hinreißenden Soloeinlagen aus, bei denen sich die Fagotistin Yuka Suzukita mit geschmeidigem Vortrag hervortat. Ein rauschendes Klangfest dann die Farandole. Boger forderte stete Steigerung des Tempos, das Orchester schien beflügelt und nahm die Herausforderung an, spielte makellos und klangrein. Der 15stündige Proben-Workshop des vorausgegangenen Wochenendes trug hörbar reiche Früchte!
Vor der Pause dann das Highlight: Amilcare Ponchiellis "Concerto per tromba e banda" mit dem Solotrompeter Rupprecht Drees, derzeit Mitglied der Dresdener Sinfonikern, die Bandbreite seines bläserischen Könnens zu voller Entfaltung brachte. Mit brillantem Spiel brachte er die kompositorischen Feinheiten, Farb- und Gefühlsvorgaben mit Bravour zum Klingen. Das Orchester, diesmal in kleiner Besetzung, erwies sich als höchst zuverlässiger Partner.
Der Originalliteratur für Blasorchester aus dem 20. Jahrhundert war der zweite Teil des Konzerts gewidmet. Besonders hervorgehoben sie die "Ouverture for a new age", von Jan de Haan 1995 komponiert. Mit dem viersätzigen, sehr illustrativen Werk, in seinem Klangreichtum mit Bernstein zu vergleichen, zogen die 50 Mitwirkenden sämtliche Register ihres Könnens. Bogers sprühende Vitalität, seine hohe Musikalität hatte sich auf das Orchester übertragen.
Pathetisch kam die "Procession" daher mit einem hinreißenden Klarinettensolo. Feurig und mitreißend dann das große Finale mit einem fetzigen Schlagzeugsolo (Andreas Tigges). "Music for a festival" stellte das Jugendorchester mit großer Spielfreudigkeit vor. Beide Orchester gemeinsam bescherten mit Edward Elgars "Pomp and Circumstances" einen grandiosen Abschluß.
