Westfalenblatt vom 25.03.1999

Frühjahrskonzert des Feuerwehr-Musikzuges - "Senior" Harald Ehl erhielt Ehrenbrief

Thomas Boger ist ein Glücksgriff

Gütersloh (WB). Er hat seine Feuertaufe glänzend bestanden: Thomas Boger, der neue Dirigent des Feuerwehr-Musikzuges Gütersloh, leitete am Sonntag abend in der fast ausverkauften Stadthalle sein erstes öffentliches Konzert und eroberte die Herzen der Zuhörer im Sturm. Der 29jährige, der im Oktober vergangenen Jahres den Taktstock von seinem verdienstvollen Vorgänger Peter Bernard Smith übernommen hat, ist ein würdiger Nachfolger und wird auch weiterhin neue Akzente setzen, wie das vielfältige philharmonische Programm zeigte. Der Klassik gehörte der erste Teil, nach der Pause standen moderne Klänge im Vordergrund - bunt gemischt, mit großem Eifer gespielt und mit entsprechend viel Beifall des Publikums belohnt.

Zunächst gab es jedoch eine würdige Ehrung für den Senior des Musikzuges: Harald Ehl (67), die Seele des Ensembles, ist seit 50 Jahren Feuerwehr-Musiker. Bundesstabführer Werner Ketzer überreichte dem Jubilar Ehrenbrief und goldene Ehrennadel des Bundesverbandes Deutscher Blasmusiker in Stuttgart, dem der Deutsche Feuerwehrverband angeschlossen ist. Ehl, der schon als 17jähriger virtuos die Klöppel seines Lieblingsinstruments, des Xylophons, beherrschte, zeigte nachdrücklich, daß er bis heute nichts von seiner Fingerfertigkeit verlernt hat: Rasant spielte er sein mitreißendes Bravourstück "Zirkus Renz" und die Zuhörer klatschten den Takt dazu.

Das Programm wurde eingeleitet mit dem Französischen Militärmarsch op. 60 von Camille Saint-Saens, rein sinfonisch und keineswegs "zackig" musiziert. Einige Unebenheiten und Abstimmungsschwierigkeiten gab es dann bei der Akademischen Festouvertüre op. 80 von Brahms und der "L´Arlesienne-Suite Nr.2" von Bizet (sehr schön die Flöte im Menuett). Ungeschmälert dagegen war der Genuß beim Konzert für Trompete und Orchester von Amilcare Poncielli. Mit dem im nahen Halle geborenen Rupprecht Drees, zur Zeit Trompeter bei den Dresdner Sinfonikern, blies ein Musiker der Extraklasse den schwierigen Solopart, der seine Stärken in den wunderschön modulierten Variationen ausspielte. Virtuose Läufe, schnell jagende Tempowechsel und ein bestechend klarer Ton schufen die vollendete Stimmung, die vom Orchester gefühlvoll abgerundet wurde. Großer Applaus und Pfiffe belohnten die ausgewogene Leistung.

Den zweiten Teil leitete der "Arsenal Concert Marsh" des Holländers Jan van der Roost ein. Der Brite Percy Aldridge Grainger, bekannter Saxophonist, bearbeitete viele Kompositionen für Blasorchester. Sein "Irish Tune from County Derry" trifft den Folklorestil mit wirkungsvollen Passagen für Blech- und Holzbläser. Jan de Haan schrieb die "Overture to a new age", die zum wirkungsvollsten Werk des Programms wurde: Eine ungewöhnliche Instrumentierung mit großem Saxophon-Aufgebot und vierfach besetztem Schlagzeug sorgten für einen voluminösen Klangrahmen. Voll auf Wirkung bedacht, bringt die Tonmalerei ein wahres Feuerwerk von Eingebungen mit ständig wechselnden Tempo-Vorgaben. Vier Schlagzeuger sieht auch die dreisätzige "Music for a Festival" des fleißigen Briten Philip Sparks vor. Auch hier eine mitreißende Musik, stark tänzerisch und rhythmisch geprägt. Eigentlicher Abschluß sollte der populäre Marsch Nr. 1 aus den "Pomp and Circumstance" von Edward Elgar werden, der als zweite Nationalhymne der Briten gilt. Groß war das Aufgebot, selbst die Orgel der Stadthalle (Solist Reinhard Gramm) war in das Spektakel einbezogen.

Das war aber noch nicht alles: Als Zugaben bei beinahe südländischer Begeisterung hörten wir temporeich "Pas Redouble" von Saint-Saens und das gefühl-getragene schottische Volkslied "Ye Banks and Brass O´Bonnie Doon" von Grainger. Zwischendurch hatte Thomas Boger auch den Nachwuchs vorgestellt: Das Jugendorchester mit 22 Jungen und Mädchen im Alter von neun bis 16 Jahren hat große Fortschritte gemacht, wie die musikalischen Beispiele zeigten.

Fazit: Thomas Boger war der große Gewinner des Konzerts. Der neue Dirigent ist ein absoluter Glücksgriff, wirkt trotz seiner Jugend schon sehr reif und abgeklärt. Er besitzt eine glänzende Übersicht und wirkt immer energisch zupackend und temperamentvoll. Ein Vollblutmusiker, der dem Orchester eine gedeihliche Fortentwicklung garantieren wird.

Karl Heinz Speyer