Westfalenblatt vom 27.09.1999
Thomas Boger und das Feuerwehr-Orchester glänzten
Sinfonisches von gestern und heute
Gütersloh (WB) "Er hat seine Feuertaufe bestanden", hat das WESTFALEN-BLATT vor einem halben Jahr getitelt, als Thomas Boger, der neue Dirigent des Feuerwehr-Musikzuges Gütersloh-Zentral, sein Debüt im Kozertsaal gab. Inzwischen spürt man seinen Hand verstärkt, wie das Herbstkonzert der Gütersloher Blauröcke am Sonnabend in der Stadthalle unterstrich. Leider blieben im Parkett manche Lücken, die gleichzeitig eröffnete Michaelis-Woche bot mancherlei andere Anregungen. Diejenigen aber, die das Musikalische bevorzugten, erlebten eine Sternstunde anspruchsvoller Blasmusik voller Harmonie, die das einst übliche Marsch-Spektakel vergessen ließ. Der anhaltende Beifall war ein untrüglicher Gradmesser für den Erfolg.
Als man ihn vor Jahresfrist buchstäblich "ins kalte Wasser" stieß, zog sich Thomas Boger achtbar aus der Affäre. Schon beim Frühlingskonzert im März dieses Jahres aber wurden seine Intuitionen deutlich. Der inzwischen 29-jährige ist ein Vollblut-Musiker, forsch und lebendig, temperamentvoll und energiegeladen. Immer in Bewegung reißt er seine Musiker mit, führt sie mit sicherer Hand nach vorn und zügelt sie nach Bedarf. Sein Orchester, leicht in der Sitzordnung verändert, ist hochmotiviert und hat sichtlich an Konturen und Ausdrucksfülle gewonnen. Boger verfolgt den Weg seines Vorgängers Peter Bernard Smith, geht aber konsequent einen bedeutsamen Schritt weiter zur Verbesserung der Qualität. Das Programm, ein "Bilderbogen aus zwei Jahrhunderten", brachte zunächst Klassik und nach der Pause zeitgenössische Werke.
Smetanas beschwingter Marsch zur Shakespear-Feier eröffnete den Reigen. Die Ouvertüre zur "Leichten Kavallerie" des heute fast vergessenen Wahl-Wieners Franz von Suppe mit großem Trompeten-Einsatz leitete über zu Mendelssohns gewichtiger "Hebriden"-Ouvertüre (h-moll, op. 26). Sie schildert plastisch eine Überfahrt bei stürmischer See zur geheimnisvollen Fingalshöhle. William Waltson pathetischer Marsch "Crown-Imperial" von 1937 war eine Huldigung an Georg VI., den Vater der heutigen Queen. Der zweite Teil brachte Werke moderner Meister des englischsprachigen Raums wie Philip Sparke. Die "Jubilee-Ouvertüre" mit großem Schlagwerk und schnellen Tempowechseln wurde fortgesetzt mit seiner farbigen Suite "Fanfare-Romance-Finale" bei der das Blech, die Holzbläser und schließlich ds gesamte Ensemble glänzten. Der Amerikaner Percy Aldridge Grainger, unentwegter Sammler von Folklore, schrieb den sechsteiligen Lieder-Zyklus "Lincolnshire Posy" (mit leider allzu langatmigen Prosatexten) als musikalische Feuerwerk. Am Schluß stand die Ouvertüre "The Hounds of Spring" von Alfred Reed nach einer antiken Dichtung.
Verdienten Beifall sicherte sich das forsche Jugendorchester, das inzwischen stimmlich erheblich gewachsen ist und über vielversprechenden Nachwuchs verfügt. Thomas Boger hat auch hier sehr gute Arbeit geleistet. Sehr sauber gespielt hörten wir "Rock for my lady" und die Filmmusik aus "Titanic". Mitreißend als Zugabe dann "Jazziges" aus der Swing-Aera, bei dem Zuhörer den Takt mitklatschten. Das Orchester dankte schließlich für den großen Applaus mit einem schmissigen sorgsam abgestimmten Galopp und schließlich mit dem "Colonel Bogey Marsch", hierzulande besser bekannt als "River-Kwai-Marsch". Gesucht wird noch ein Name für das von einer Gönner-Familie gestiftete Maskottchen, ein Teddy in schmucker Feuerwehr-Uniform.
Karl Heinz Speyer
