Neue Westfälische vom 24.11.1989
Feuerwehrmusikzug und Turnersänger gemeinsam in der Stadthalle
Viel Musik und viel Beifall
Gütersloh. Zum neunten Mal gaben der Musikzug Gütersloh-Zentral der Freiwilligen Feuerwehr unter Peter Bernard Smith O.B.E. und der Turnergesangverein, geleitet von Wilhelm Lienke (am Flügel: Heiner Breitenströter), in der Stadthalle ein Gemeinschaftskonzert. Zum ersten Male vor der großen Öffentlichkeit stand der Chor der Geschwister-Scholl-Schule mit seinem Dirigenten Norbert Kielgast.
Das Erfreulichste vorab: Die Schülerinnen und Schüler gaben mit „one Hand one Heart“ von Leonard Bernstein im Arrangement von E. Rein und „Take Me Home Home Country Roads“ von Chuck Casse/John Denver auf diesem Podium ihr Debüt, das in seiner Frische und natürlichen Musikalität jeden begeistert haben müsste. Jörg Teschner begleitete die Jugendlichen am Flügel. – Beide Turnersänger-Chöre und der Musikzug brachten vorwiegend Neueinstudierungen zu Gehör, dafür gebührt ihnen Sonderlob! – Die Halle war dank treuer Anhängerschaft der Chöre und des Orchesters auch diesmal sehr gut besetzt.
Den Anfang machte der Musikzug mit der glanzvollen Wiedergabe des festlichen „Reitermarsches des Großen Kurfürsten“ von Cuno Graf Moltke in der Bearbeitung von Felix Husadel. An diese Werkdarstellung bewies der Musikzug, dass er unter der qualitätsbewussten und straffen Führung von P. B. Smith noch exakter und nuancierter spielen gelernt hat. Ebenso gute Figur machte er mit dem Marsch „On The Square“ von Frank A. Panella, der illustrativ-gefälligen Orchesterfantasie „Im Zauberland Ägypten“ von A. W. Ketélby in der Bearbeitung von Eckhard Teismann, eines begabten Posaunisten des Musikzuges, und mit „Pomp And Circumstance“ von Edward Elgar. Hier bezeugten vor allem griffige Rhythmik, professionelle Schlagzeugeffekte und die Pracht des Huldigungsmarsches beste britische Militärkapellmeister-Tradition, die weiterreichende Kompetenz umfasst. Peter Bernard Smith ist leidenschaftlicher Sinfoniker. Weil er keine Streicher zur Verfügung hat, greift er zu geschickten Transkriptionen, zum Beispiel in der Ouvertüre zu „Wenn ich König wär´“ von Adolphe Adam. Die filigranen Klarinettenstellen in der Einleitung, tänzerische Grazie und blutvolle Dynamik gaben der Ouvertüre Farbe und ließen das Fehlen der Streichinstrumente vergessen. Mit den Ungarischen Tänzen Nr. 5 und 6 von Johannes Brahms taten sich die Blasmusiker hingegen schwerer, obwohl die Instrumente geschmeidiger klingen und vor allem bei den Rhythmusbeschleunigungen der leichtgängigere und harmonischere Spielfluß hörbar wird. Prächtige Beispiele aus der Unterhaltungsmusik, umrahmt von humorvoller Klagerede des Dirigenten über die vermutlich uneinbringlichen Requisitenkosten, bot die Kapelle im Feuerwehrrock mit „Sandpaper Ballet“ und „The Typewriter“ von Leroy Anderson und dem Walzer „Wiener Praterleben“, allgemein als „Sportpalast-Walzer“ von S. Translateur, selbstverständlich auch hier „mit Pfiff und Gesang“ („... wenn du denkst, der Mond geht unter ...“). Die Pfiffe hat in den zwanziger Jahren das Berliner Sportpalast-Original „Krücke“, ein Invalide, „hineinkomponiert“. Ging beim Sechstagerennen „die Post ab“, pfiff „Krücke“ auf den Fingern, und dann kochte der „Nudeltopf“ bald über.
Keine glückliche Hand hatten die Programmgestalter, als ihnen „Leuchtet der Morgen“ und die Spirituals „Lord, Lord, Lord“ und „Steal Away“, gesungen vom gemischten Chor mit den Soli von Dieter Westerbarkey, zwischen die Unterhaltungstitel gerieten. Schade um diese drei beseelten Chorvorträge! Auch die Zuhörer mussten sich mit dem Stilbruch abfinden. Das Gemeinschaftskonzert sollte unter ein Thema gestellt, die Vorträge entsprechend ausgewählt werden.
Der Männerchor tendierte mit „Kloster Brabow“, den „Lustigen Musikanten“ und „Melodien zum Verlieben“ diesmal leichter; alle drei Chöre setzten mit den Spirituals in deutscher Sprache „O Herr, welch ein Morgen“ und „Immer will ich singen, O Lord“ den strahlenden Schlußakzent der Vokalvorträge. Der originellste Beitrag des Konzertes, im Duo der beiden letzten Musiker, des Flötisten und des Klarinettisten, leider voreilig „zerklatscht“, war der Schlusssatz Presto-Adagio der „Abschieds-Sinfonie“ von Joseph Haydn.
Die Vorsitzenden der Gemeinschaften Wilfried Rehage und Harald Ehl hießen das Publikum, die Ehrengäste namentlich, willkommen, Waltraud Hermelbracht und Griseldis Rehage sprachen die verbindenden Worte.
