Neue Westfälische vom 24.06.1986
„Unter dem Sternenbanner“ wird P. B. Smith um zehn Jahre jünger
Feuerwehr-Konzert „zu Hause“
Gütersloh. „Es ist immer ein schönes Gefühl, zu Hause zu spielen!“ bekannte Kapellmeister Peter Bernard Smith MBE, der Leiter des Musikzuges Gütersloh-Zentral der Freiwilligen Feuerwehr. Mit „zu Hause“ meinte er Gütersloh, die Stadthalle, den Schauplatz eines weiteren wohlgelungenen Wunschkonzertes am Sonntagabend. Viele Plätze blieben leer: die lange, besser gesagt: kurze Fußballnacht war vermutlich daran schuld. „Wir haben nicht alle hereingelassen!“ kommentierte der humorbegabte Musikmeister den ungewohnt schwachen Besuch.
Wie anderes hatte es weinige Tage zuvor in Aachen ausgesehen! Dort waren die Gütersloher Feuerwehr-Musiker die musikalische Attraktion der Feier zum 150jährigen Bestehen der Freiwilligen Feuerwehr. Den Festakt würzte der heilige Florian mit einem gehörigen Regenguß; vermutlich hat der Nothelfer aus Versehen den himmlischen Löscheimer umgestoßen. Die Mitglieder des Musikkorps ließen sich nicht verdrießen; sie begeisterten ihr Publikum mit volkstümlichen und sinfonischen Stücken, unter anderem der „Feuerwerks-Musik“ von Georg Friedrich Händel, und verdienten sich das Lob ihres anspruchsvollen Dirigenten, der sie vor heimischen Publikum noch einmal lobte. Er sagte, das Konzert in Aachen sei für ihn das schwerste gewesen, das er bisher mit einem Blasorchester geleitet habe.
An Prüfungen, aber auch an Lob und Anerkennung, hat es dem Orchester bislang nicht gefehlt und wird es in Zukunft nicht fehlen. Bad Oeynhausen hat die Gemeinschaft zu drei Konzerten eingeladen; sie weiß diese Ehre zu würdigen und hofft, mit den Besetzungsproblemen fertig zu werden, die sich einer Kapelle stellen, deren Mitglieder werktags ihrem nichtmusikalischen Beruf nachgeben. Dann „brennt“ es bei der Feuerwehr, doch die weiß sich zu helfen und macht das sprichwörtlich Unmögliche möglich, wie am Sonntagabend Musikzug-Vorsitzender Harald Ehl, der erst kurz vor Beginn des Konzertes von zehnstündiger Busfahrt an die Kleine Trommel zurückgekehrt war.
Zwischen dem Radetzky-Marsch und dem „My-Fair-Lady“-Potpourri plauderte Peter Bernard Smith, um seinen Bläsern Verschnaufspausen zu verschaffen. Wer die bisherigen Feuerwehr-Konzerte unter seiner Leitung besucht hat, kennt schon einen großen Teil seines Lebenslaufes. Diesmal erzählte er aus seiner Chorknabenzeit: Seine Mutter habe darauf bestanden, dass er sich den Hals wusch und ihm Brillantine ins widerborstige schwarze Haar geschmiert, bevor sie ihn zum „Gloria“ gehen lassen habe. Der einstige Chorknabe trägt heute graues Haar; er wirkt jugendlich und fühlt sich, wie er gesteht, augenblicklich um zehn Jahre jünger, wenn er „Unter dem Sternenbanner“ von John Philipp Sousa dirigiert.
Beim Salonstück „Die Post im Walde“ von Schäffer schlossen die Zuhörer Bekanntschaft mit dem erst 14jährigen Solotrompeter Maik Herrmann und hörten und sahen Sebastian Ehl, den klanggewaltigen, gutgestimmten Paukisten, als Schmied der „Amboßpolka“. Die Gütersloher, aufgefordert, sich Musik zu wünschen, wollten außerdem die Ouvertüre zur Operette „Leichte Kavallerie“ von Franz v. Suppé und die Konzertwalzer „Wiener Blut“ (Johann Strauß“ und „Gold und Silber“ (Franz Léhar) hören, erbaten die „Schiwago-Melodie“ (Maurice Jarre) und ein Potpourri aus Leon Jessels ewig jungem „Schwarzwaldmädel“, führten sich den Holzschuhtanz aus Albert Lortzings Komischer Oper „Zar und Zimmermann“ zu Gemüte, sahen im Geiste die Troika der „Petersburger Schlittenfahrt“ (Richard Eilenberg) durch stiebenden Schnee dahinrasen und den siegreichen Radames in Verdis Oper „Aida“ triumphieren. Einige Wunsch-Wähler hatten exakt das Programm getippt und etwas Schönes gewonnen: Walter Meinders, H. Pöhler (Hollen), Klaus Anders und Ingrid Herrmann. Die begeisterten Zuhörer erklatschten sich den „Florentiner Marsch“ (Julius Fucik) als Zugabe und verhalfen durch hartnäckiges „Aussitzen“ Peter Bernard Smith zur Verjüngungskur durch „The Stars And Stripes“.
